Herzlichen Dank!

Herzlichen Dank für einen gelungenen Nachmittag

Der Verein für Heimatpflege Wenighösbach e. V. bedankt sich herzlich bei allen Besucherinnen und Besuchern unserer Veranstaltung „Dorfhandwerk wie anno dazumal“ am Sänger-Grillplatz.

Ein besonderer Dank gilt allen, die trotz der großen Hitze den Weg hinauf zum Sänger-Grillplatz nicht gescheut haben. Es hat uns sehr gefreut, dass so viele Gäste Interesse an altem Dorfhandwerk gezeigt, den Vorführungen aufmerksam zugeschaut und den Nachmittag mit guten Gesprächen und schöner Gemeinschaft bereichert haben.

Herzlich bedanken möchten wir uns auch bei allen, die das traditionelle Handwerk lebendig werden ließen: beim Team des Hufschmiedes Klaus Hufgard von der „Barefooty Ranch“ in Feldkahl, beim Team rund um das Sensen Dengeln – Wilfried Buhler und Alfons Nilles – vom Obst- und Gartenbauverein Keilberg, bei Korbflechter Bernd Knauf aus Wenighösbach sowie bei Ferdi Sauer an der Schnitzbank und seinen Erläuterungen zu unserer Ausstellung alter Werkzeuge rund um das Kuh- und Pferdegespann, den Pflug und besondere Erntegeräte wie Sichel, Sense, Reff und Rechen. Sie alle haben mit ihrem Wissen, Können und ihrer Begeisterung dazu beigetragen, ein Stück gelebte Heimatgeschichte sichtbar zu machen.

Ein ebenso großes Dankeschön geht an alle Helferinnen und Helfer, die beim Auf- und Abbau, bei der Organisation, der Bewirtung und der Durchführung tatkräftig mit angepackt haben. Ohne ihr Engagement wäre eine solche Veranstaltung nicht möglich.

Im Rahmen unseres 20-jährigen Jubiläums war dieser Nachmittag für uns ein schönes Zeichen dafür, wie lebendig Heimatpflege sein kann, wenn viele Menschen zusammenkommen, mithelfen und Interesse an der Geschichte unseres Dorfes zeigen.

Stefan Sauer
1. Vorsitzender
Verein für Heimatpflege Wenighösbach e. V.

20 Jahre Verein für Heimatpflege Wenighösbach

Geschichte bewahren. Gemeinschaft leben. Zukunft gestalten.

Was im Februar 2006 in der Gaststätte „Zur frischen Quelle“ begann, ist heute fester Bestandteil des kulturellen Lebens in Wenighösbach: Der Verein für Heimatpflege Wenighösbach e. V. feiert im Jahr 2026 sein 20-jähriges Bestehen. Gegründet von 13 engagierten Bürgern mit dem Ziel, die Geschichte des Dorfes zu erforschen, zu bewahren und lebendig weiterzugeben, entwickelte sich der Verein zu einer zentralen Plattform für Heimatpflege, Brauchtum und Begegnung.

Ein Meilenstein war die feierliche Vorstellung der Chronik „Wenighösbach – ein Dorf im Wandel der Zeit“, die aus der Arbeit des damaligen Arbeitskreises Dorfchronik Wenighösbach hervorging. Dieses umfangreiche Werk dokumentierte erstmals umfassend die Geschichte des Dorfes und legte den Grundstein für die spätere Vereinsarbeit. Im Gründungsjahr war der Verein maßgeblich an der Planung der Feierlichkeiten zum 725-jährigen Bestehen Wenighösbachs und der des Dorffestes im Mai beteiligt  – einem Fest, das vielen bis heute in unvergesslicher Erinnerung geblieben ist.

Stelen mit Flurhinweisen wurden von 2008-2010 aufgestellt. In den folgenden Jahren prägten Themenwanderungen, Vorträge, Ausstellungen, die Pflege historischer Orte sowie die Organisation eines weiteren Dorffestes zum 120-jährigen Bestehen der Kuratie Wenighösbach die Vereinsarbeit. Veranstaltungen im Advent – unter anderem in der Diels-Scheune und im Dorfgemeinschaftshaus – bildeten weitere Schwerpunkte. Im Jahr 2017 wurde ein Modell der alten St.-Barbara-Kapelle in der Dorfmitte errichtet.

Mit der Ausstellung „Wenighösbach kreativ“ kam 2025 ein neues, modernes Format hinzu, das auf große Resonanz stieß und von Besucherinnen und Besuchern durchweg positiv aufgenommen wurde. Dabei ging es stets um mehr als reine Geschichtspflege: um das Erzählen, weitergeben und gemeinsame Erleben von Heimat.

Dieses Selbstverständnis steht auch im Mittelpunkt des Jubiläumsjahres. Geplant ist eine Reihe von Veranstaltungen, die Tradition, Natur und Gemeinschaft verbinden: eine Vogelstimmenwanderung im Frühjahr, ein Korbflechtkurs mit Vorführungen alten Handwerks wie Sensen­ dengeln im Frühsommer, eine Veranstaltung zur Häusergeschichte in der Höflerschen Scheune im Spätsommer sowie der gesellige Nachmittag „Aofach nur mol babbele“ im Dorfgemeinschaftshaus im Herbst.

Ein solches Engagement wäre ohne viele helfende Hände nicht möglich. Der Verein bedankt sich herzlich bei allen Mitgliedern, Unterstützern, Gönnern und Freunden, die die Arbeit in den vergangenen 20 Jahren begleitet, mitgetragen und ermöglicht haben. Gleichzeitig lädt der Verein alle Interessierten herzlich ein, Teil dieser Gemeinschaft zu werden. Die Mitarbeit macht nicht nur Freude, sie dient auch unserer Kultur, unserer Natur und unserer gemeinsamen Zukunft. Denn Heimatpflege bedeutet für uns nicht nur, die Vergangenheit zu bewahren – sondern die Zukunft aktiv mitzugestalten.

Mitgliedsantrag: hier geht es zum Download

Wenighösbach im Spiegel der Presse – 17.10.1888

Beobachter am Main vom 17.10.1888

Wenighösbach, 15. Okt.

Mit einer Fuhre gebrochenen Obstes nach Frankfurt unterwegs stürzte der Landwirth Andreas Staab II. vorgestern Abend unterhalb Stockstadt und erlitt bei diesem Fall einen linken Armbruch. Herr A. Staab, ein fleißiger und tüchtiger Oekonom von hier, wird deshalb von sämmtlichen Ortsangehörigen bedauert.

Anmerkung:

Wie Andreas Staab II. nach Frankfurt gelangte, geht aus dem kurzen Bericht leider nicht hervor, höchstwahrscheinlich benutzte er ein Pferdefuhrwerk.

Das bedeutete für ihn eine Tagesreise von mindestens 8–10 Stunden Dauer. Dabei bleibt ungewiss, ob Staab irgendwo noch übernachten musste, um sein Tafelobst – dabei handelt es sich um „gebrochene Äpfel“ – evtl. schon frühzeitig selbst verkaufen zu können. Wie und an wen der Verkauf der Äpfel erfolgte, ist jedoch nicht bekannt.

Die Beschwernisse solch einer langen Fahrt auf sich zu nehmen, lässt indes unschwer auf  sehr gute Erlöse aus dem Verkauf der Äpfel schließen. 

Auch wenn Apfelbäume und Streuobstwiesen auch heute noch einen prägenden Bestandteil unserer Landschaft bilden, so hat der Obstanbau in unserer Gegend schon seit vielen Jahren eine eher nur noch geringe wirtschaftliche Bedeutung. 

Ganz anders war dies im 19. Jahrhundert und noch bis in die 1960er Jahre der Fall.

In Wenighösbach, mit damals ca. 650 Einwohnern, gab es etwa bis Ende der 1960er Jahre nicht weniger als sechs Keltereien, in denen die hier geernteten Äpfel vornehmlich zu Apfelwein verwertet wurden. Eher selten verkaufte man frischen Most direkt von der Kelter. Neben der Kelterei E. Bergmann sowie den beiden Gastwirtschaften „Zum Ochsen“ und „Zur frischen Quelle“ wurde in drei weiteren Anwesen die Kelterei als wichtige zusätzliche Einkommensquelle neben der Landwirtschaft betrieben.

Das bedeutete, nach den ohnehin anstrengenden Herbstarbeiten wie z. B. der Kartoffel- und der Rübenernte, am Ende des Tages, zusätzlich zur Versorgung des Viehs, weitere schwere Arbeit bis spät in die Nacht hinein. 

Neben dem Verkauf von Apfelwein gehörte sein privater Konsum zum Alltag. Apfelwein, meistens „gespritzt“, wurde als günstiges und erfrischendes Getränk zu jeder Jahreszeit und zu jeder Gelegenheit getrunken. Besonders im Sommer zur Heu- oder Getreideernte wurde er oft auch auf das Feld mitgenommen.

Von den vielen, meist kleinen Kelterbetrieben in unserer Gegend, hat sich nur die Kelterei Stenger im Gewerbegebiet Hösbach bis in die Gegenwart erhalten. Dieser moderne, relativ große Kelterbetrieb, ursprünglich im Ortsteil Feldkahl beheimatet, ist auch heute noch Anlaufstelle für immer noch bemerkenswert viele fleißige Obstbauern im Nebenerwerb, die dort ihre, in diesem Jahr ungewöhnlich reiche Ernte abliefern können.

Text und Anmerkung: Ferdi Sauer
Satz: Stefan Sauer

Wenighösbach im Spiegel der Presse – 05.10.1894

Aschaffenburger Zeitung vom 5.10.1894

Wenighösbach, 3. Okt.

Flaggenschmuck, Bekränzung der Häuser, Triumpfbögen am Eingang des Dorfes kündeten heute, daß hier ein Festtag seltener Art angebrochen sei. Und so war es auch; denn heute hielt zum ersten Mal ein selbständiger Seelsorger mit dem Sitz in Wenighösbach seinen Einzug in unser ruhiges Dörflein. Nachmittags zog die Gemeinde dem Ende des Dorfes entgegen und Punkt 3 Uhr traf Hr. Pfarrer von Hösbach mit dem neuen Lokalkaplan in einer Chaise ein. Alsbald wurde der neue Seelsorger, Herr Kaplan Wittstadt, durch Herrn Pfarrer Link von Hösbach den Gemeindeangehörigen vorgestellt. In ziemlich eingehender Rede verbreitete er sich dann über Ursprung und Geschichte der Lokalkaplanei und bewillkommte und beglückwünschte die Gemeinde. Hierauf wurde dem Herrn Kaplan von einem Schulkind unter Ueberreichung eines prächtigen Blumenstraußes ein herzlicher Willkommensgruß geboten. Dann begrüßte Herr Bürgermeister und Landrath Staab in Amtstracht den neuen Seelsorger im Namen der Gemeinde, gedachte in seiner Rede u. A. auch des Gründers der Lokalkaplanei, des verstorbenen Geistlichen Rathes Gehlert von Hörstein, erwähnte auch dankend der eifrigen Mitarbeiterschaft des Hrn. Pfarrers Link von Hösbach, und des Wohlwollens der vorgesetzten Behörden. Sodann zog die Gemeinde zur Kirche. Die Freiw. Feuerwehr hatte es sich nicht nehmen lassen, zur Verherrlichung des Tages in Gala zu erscheinen. In der Kirche ertheilte dann Herr Kaplan Wittstadt den Segen. Nach Beendigung der kirchlichen Feier erfolgte Einweisung des Herrn in das Kaplaneigebäude. Hierauf zog man alsdann, um sich dem gesellschaftlichen Theil zu widmen, unter Vorantritt unserer gutgeschulten Musikkapelle zur Gastwirthschaft, woselbst dann musikalische Unterhaltungen mit Toasten abwechselten.

Anmerkung:

Feiern konnte man in „Joch“ schon immer sehr gut. So sollte auch die Herausgabe der Dorfchronik im Mai 2006 sowie das 725 jährige Bestehen von Wenighösbach zu einem ganz besonderen Ereignis werden. Ein Dorffest sollte gefeiert werden! Für unseren Verein war das natürlich eine sehr große Herausforderung, die nur mit Hilfe aller Ortsvereine gemeistert werden konnte.

Das ganze Dorf sollte festlich geschmückt werden und dazu auch eine eigene Dorffahne gestaltet werden. Am Ende sollte sich dieses Design durchsetzen.

Die Fahnen waren wunderschön anzusehen und werden bis heute immer wieder gerne gehisst, wenn es in Wenighösbach etwas zum feiern gibt.

Text: Ferdi Sauer
Anmerkung und Satz: Stefan Sauer

Wenighösbach im Spiegel der Presse – 29.09.1814

Aschaffenburger Zeitung vom 29.9.1814  

Das dem Erzbischöflichen Seminarfonde dahier zugehörige Hofgut (Münchhof) bei Wenighösbach, anderthalb Stunden von Aschaffenburg liegend, wird auf 9 bis 12 Jahre im Ganzen oder Theilweise, und im letzteren Falle die Hofgebäude mit einer angemessenen Zahl Feld und Wiesen als geschlossenes Gütchen, das übrige aber in einzelnen Stücken in Bestand gegeben und die desfalls abzuhaltende Versteigerung in dem Hofhause genannten Gutes auf Verlangen mehrer Liebhaber nicht Mittwoch den 12ten, sondern Mittwoch den 5ten nächstkünftigen Monats Oktober früh um 9 Uhr vorgenommen werden, wozu Liebhaber hiermit eingeladen sind.

Das Gut enthält nebst einem zweistöckigen, im besten Zustande sich befindenden, Wohnhause, Scheuern und Stallungen, an größtentheils vortrefflich kulitivirten gutem Ackerfelde: 154 Morgen 2 Viertel 73 Ruthen 55 Schuh; sodann an meistens süßes Futter sehr reichhaltig liefernden Wiesen: 29 Morgen 2 Viertel 31 Ruthen 28 Schuh in 16schuhigem Nürnberger Ruthenmaaße, und wird übrigens gelegenheitlich obiger Verpachtung eine alte Scheune und ein alter Viehestall zum Abbruch verkäuflich allda angegeben werden.

Aschaffenburg den 25ten Sept. 1814

Erzbischöfl. Seminarfonds-Rezeptur.    Schmitt

Was sagt der obige Text in modernem Deutsch aus:

Objekt: Hofgut „Münchhof“ bei Wenighösbach, gehört dem Erzbischöflichen Seminarfonds.

Verpachtung: Für 9 bis 12 Jahre – entweder komplett oder teilweise.

  • Bei Teilverpachtung: Hofgebäude mit passender Menge an Feldern und Wiesen als geschlossenes Gut, der Rest einzeln verpachtet.

Versteigerung: Termin auf Wunsch mehrerer Interessenten vorverlegt auf Mittwoch, den 5. Oktober 1814, 9 Uhr im Hofhaus des Gutes.

Umfang des Gutes:

  • Zweistöckiges Wohnhaus in gutem Zustand
  • Scheunen und Stallungen
  • Ackerfläche: ca. 154 Morgen (gut kultiviert, fruchtbar)
  • Wiesenfläche: ca. 29 Morgen (ergiebig für Futter)

Zusatz: Eine alte Scheune und ein Viehstall werden separat zum Abbruch verkauft.

Anmerkung:

Der Schätzwert des Münchhofguts wurde damals mit 80.000 Mark angegeben. Die Versteigerung sollte im Hofhaus des Anwesens stattfinden. Diese Nachricht ging wahrscheinlich wie ein Lauffeuer durch das Dorf Wenighösbach. Der Versteigerungstermin verstrich jedoch, wohl wegen des relativ hohen Kaufpreises, erfolglos.

Es sollten noch knapp 84 Jahre ins Land gehen, bis das  Münchhofgut am 5. März 1888 von 50 Wenighösbacher Grundbesitzern für 70 000 Mark vom Seminarfond Aschaffenburg erworben wurde.

Detaillierte weitere Informationen in der Chronik: „Wenighösbach ein Dorf im Wandel der Zeit“ im Beitrag „Der Münchhof zu Wenighösbach“.  

Die oben angegebenen Flächenmaße sind heute vielen aus der jüngeren Generation kaum noch bekannt.

Sie waren jedoch, mit der Ausnahme des Quadratschuh, bis weit über die Mitte des letzten Jahrhunderts hinaus bei den hiesigen Bauern gebräuchlich. 

1 Morgen (a 160 Quadratschuh) = 33,0431 ar. Ein ar beinhaltet 100m2. Eine Quadratruthe (a 256 Quadratschuh) = 21,90198 m2. Ein Quadratschuh = 0,08555m2

Ab der bayerischen Zeit (ab 1814) wurde als Flächenmaß das Tagwerk eingeführt; 3 Tagwerk bilden dabei 1 ha. 

Text: Ferdi Sauer
Anmerkung: Ferdi Sauer / Stefan Sauer
Satz: Stefan Sauer

Wenighösbach im Spiegel der Presse – 01.09.1917

Aschaffenburger Zeitung vom 1.9.1917  

Wenighösbach, 30. Aug.

Gestern verunglückte der Landwirtswitwe Apollonia Freund von hier eine junge Kuh derart, daß sie auf dem Wege einen Apfel verschlang. Da er im Schlunde stecken blieb, drohte sie zu ersticken und mußte deshalb sofort notgeschlachtet werden. Dieser Unfall dient den Landwirten zur Warnung, namentlich jetzt, wo das Fallobst überall auf dem Wege zerstreut umherliegt, die Zugtiere mit Maulkörben zu versehen, um sich vor empfindlichem Schaden zu bewahren.

Anmerkung:

Im Jahr 1917 befanden sich in den 58 Anwesen des Dorfes 175 zuchtfähige weibliche Rinder. Alle Anwesen betrieben Landwirtschaft. 

Je Anwesen wurden zwischen zwei und sechs Zuchttiere gehalten, doch nur vier Bauern hielten mehr als vier Tiere. Die Viehhaltung, dabei insbesondere Kühe, bildete  einen wesentlichen Teil der Existenzgrundlage der Dorfbevölkerung. Kühe lieferten Milch als wichtiges Grundnahrungsmittel, wurden aber damals noch hauptsächlich als Zugtiere in der Landwirtschaft benötigt.

Wert einer jungen Kuh im Jahr 1917 in Unterfranken

Zeitgenössische Quellen belegen, dass eine junge Kuh (z.B. eine tragende Färse oder frisch abgekalbte Erstkalbskuh) im Jahr 1917 mehrere hundert Mark kostete. Aufgrund der Kriegswirtschaft und Inflation lag das Preisniveau deutlich höher als vor dem Ersten Weltkrieg – Viehpreise blieben 1917 auf außergewöhnlich hohem Stand.

Regionale Unterschiede in Unterfranken waren gering – als landwirtschaftlich geprägte Region entsprachen die Preise dort im Wesentlichen den allgemeinen Kriegsmarktpreisen für Vieh. Die genannten Werte stammen aus zeitgenössischen Marktberichten und amtlichen Statistiken jener Jahre und nennen den Preis für eine junge Kuh von ca. 500 Mark.

1917 mitten im Ersten Weltkrieg war die Kaufkraft der Mark jedoch schon deutlich gesunken – daher waren Werte wie Gold, Silber, Immobilien und eben auch Vieh preislich deutlich höher zu bewerten als die aktuelle Währung.

Vergleich zum Arbeiterlohn (1917)

Zeitgenössische Quellen zeigen: Nominallöhne stiegen im Krieg deutlich, aber die Lebenshaltungskosten stiegen schneller. Für Arbeiter lag ein Tageslohn grob im Bereich ~3–6 Mark/Tag. Damit entspricht eine junge Kuh ungefähr:

500 M → ~80 –170 Tageslöhne (je nach Branche und Region)

Bürgerleben

Was konnte man für den Preis einer jungen Kuh kaufen? (Beispiele 1917)

Kartoffeln:
Höchstpreis 55–61 M/Tonne ⇒ 0,055–0,061 M/kg.
500 M ≈ 8,0–9,0 Tonnen

Milch: staatl. Höchstpreis ~0,24–0,25 M/L (1917).
500 M ≈ 2.000 Liter

Brot (Roggenbrot, Einzelhandel): um ~1,5–1,6 M/kg
500 M ≈ 210 kg

Butter: ~6 M/kg (1917, stark schwankend).
500 M ≈ 80 kg

Wöchentlicher Lebensmittel-Warenkorb (4-Pers.-Haushalt): Beispiele Okt/Dez 1917: ~43–69 M/Woche
500 M decken ~7–12 Wochen

Da die meisten Höfe in Wenighösbach Landwirtschaft im Haupterwerb betrieben und die Familien fast ausschließlich Selbstversorger waren, lassen sich die Werte nur schwer direkt mit den Arbeiterlöhnen sowie den Einkaufspreisen bzw. Lebensmittel-Warenkorb vergleichen – sie bieten jedoch einen guten Orientierungspunkt.

Der Verlust einer jungen Kuh bedeutete somit nicht nur einen erheblichen finanziellen Schaden, sondern auch den Verlust eines wichtigen Arbeitstieres. Durch eine Notschlachtung ließ sich immerhin ein Teil des Wertes retten.

Historischer Text: Ferdi Sauer
Anmerkungen: Ferdi und Stefan Sauer
Satz: Stefan Sauer

Wenighösbach im Spiegel der Presse 16.06.1879

Beobachter am Main vom 16.6.1879 

Mannigfaltiges.

Wenighösbach, 15. Juni. Heute Nachmittag fanden Erdbeeren suchende Kinder in der Waldabtheilung Sternberg, etwa ¼ Stunde vom Orte, die Leiche eines wohlgekleideten jungen Mannes, der sich mittels des neben ihm liegenden Revolvers durch einen Schuß in die Herzgegend tötete. Die Tödtung muß schon am Frohnleichnamstage stattgefunden haben, da derselbe etwa vor 10 Uhr früh das Dorf passirt hatte. Er war hinter demselben auf den zum Kirchhofe und in diesen Wald führenden Weg gegangen, besuchte den Kirchhof und begab sich dann in den Wald, ging bis zu den Feldkahler Steinbrüchen, kehrte wieder in den Wald, was ein Schäfer bemerkt hatte und wurde heute als todt gefunden. Sein Aeußeres ist das eines Städters; er trug einen blauschwarzen Rock, schwarze Hosen, in Falten gebügeltes Hemd mit schönem Kragen. Sein Gesicht ist etwas hager, die Stirne hoch die Haare sind vorne gelichtet und zur Rechten gescheitelt. Der Revolver lag neben der rücklings gerade ausgestreckten Leiche. Näheres mag die gerichtliche Obduction und Recherche ermitteln.

Anmerkung:

Höchstwahrscheinlich wurde das sogenannte „Stäwwes Hällchen“ am Sternberg aus diesem Anlass errichtet.

Zur Identität des Mannes fanden sich in alten Zeitungsberichten aus dieser Zeit trotz intensiver Suche bislang keine Hinweise.

Der Verein für Heimatpflege Wenighösbach arbeitet daran, dass dieser wegen starker Schäden nun schon seit Jahren abgebaute Bildstock in absehbarer Zeit neu erstellt werden kann.

Historischer Text und Anmerkung: Ferdi Sauer
Satz: Stefan Sauer